Tanjas Video

1997
Installation in der Ausstellungshalle
im Künstlerhaus Schloß Wiepersdorf

Campingwohnwagen
2 Fernseher mit Videoloop

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Der private (öffentliche) Blick

Im Ausstellungsraum wird in einem Wohnwagen "Tanjas Video" gezeigt. Das Mädchen tanzt, in Unterwäsche gekleidet und in Selbstbetrachtung versunken in ihrem Zimmer auf einem Bett vor dem Spiegel. Der Spiegel selbst ist auf dem Bildschirm nicht zu sehen, an seine Stelle tritt, beobachtend, der Betrachter. Die Situation scheint selbstverständlich.

So, wie der Fernseher das Bild der Welt dem Maß des Mediums anpaßt und dem privaten Blick vorführt, beherbergt der Wohnwagen die wichtigsten Utensilien familiären Lebens auf engem, geschütztem Raum. Der Fernseher, die Bilderbox, ist selbst Utensil dieses privaten Raumes und bildet durch das Heimvideo am Ende auch nur diesen ab. Der Raum schließt sich.

Beängstigend in dieser intimen Sphäre ist die Gegenwart des kontrollierenden öffentlichen Blickes. Die gesamte Umgebung – das gepolsterte Interieur und der Fernsehbildschirm – verwandelt sich in einen "Halbspiegel" und wirft das prüfende und voyeuristische Auge auf sich selbst zurück, und kein Gedanke entkommt der individuellen Zensur.

Plötzlich spricht auch die Ambivalenz des Ortes: der Wohnwagen, Symbol der Familienzelle, aber auch Handlungsfeld mobiler Dienstleistung. Im intimsten Bereich trifft sich die Öffentlichkeit.

Ute Richter